Wie entwickelt sich eine enge Freundschaft, wenn das Tier kein Haustier ist?
Ronja erzählt von ihrer Verbindung zur Ziege Cappuccino
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Freundschaft zwischen Mensch und Tier kann auf einem Lebenshof ganz besondere Formen annehmen. Ronja arbeitet auf dem Begegnungs- und Lebenshof der Sentana Stiftung in Bielefeld, der Tieren, die kaum Vermittlungschancen haben, ein Zuhause fürs Leben bietet und zudem tiergestütze Interventionen für Menschen anbietet. Sie teilt ihre beeindruckende Freundschaft zur Ziege Cappuccino mit uns. Ihre Geschichte zeigt, wie Tierliebe, Geduld und gegenseitiges Vertrauen auf dem Lebenshof wachsen – und wie wertvoll diese Verbindung ist. Eine wirklich schöne Freundschaftsgeschichte, die beweist: Freundschaft kennt keine Grenzen. Es gibt Freundschaft aller Art!
Hallo Ronja, stell Dich und Deine Arbeit auf dem Hof der Sentana Stiftung doch gerne kurz vor.
Ich bin Ronja, Sozialarbeiterin und Fachkraft für tiergestützte Intervention hier im Dorf Sentana. Ich begleite Menschen jeden Alters, die aus ganz unterschiedlichen Gründen zu uns kommen – sei es wegen körperlicher oder psychischer Einschränkungen oder weil sie einfach eine Tagesstruktur brauchen. Gemeinsam mit den Tieren unterstütze ich sie dabei, neue Kraft zu schöpfen, an ihren Themen zu arbeiten und einen sicheren Ort zu finden. Besonders eng ist meine Freundschaft zu Cappuccino, einer Ziege, die für mich nicht nur Kollegin, sondern auch eine treue Begleiterin und gute Freundin geworden ist.
Das hört sich nach einer ganz besonderen Freundschaft an. Erzähl uns doch gerne etwas mehr über Cappuccino.
Cappuccino und ich kennen uns mittlerweile seit fast sechs Jahren und diese Verbindung zeigt, wie schön und wertvoll Freundschaft zwischen Mensch und Tier sein kann und dass sich enge Freundschaften nicht nur zu Haustieren entwickeln können. Cappuccino ist eine Zwergziege und mittlerweile schon 15 Jahre alt. Ihr Alter merkt man ihr allerdings überhaupt nicht an! Sie war eines der ersten Tiere auf dem Hof. Ihr Artgenosse war verstorben und sie hat dann nur noch mit einem Esel zusammengelebt, das ist natürlich nicht optimal. Als sie zu uns kam, hatte sie dann endlich wieder Artgenossen um sich. Und sie hat bei uns direkt zwei tolle Lieblingsplätze gefunden, unser Klettergerüst und unseren Bauwagen für die Ziegen.
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Wann seid ihr Euch das erste Mal begegnet?
Ich habe Cappuccino Ende 2019 während meines Praktikums kennengelernt, wir kennen uns also schon etwa 6 Jahre. Wir haben uns ganz langsam kennengelernt. Und über die Zeit haben wir Vertrauen aufgebaut. Cappuccino ist sehr sensibel, hatte vorher wenig nahe Erfahrungen mit Menschen und ist Fremden gegenüber sehr zurückhaltend. Auf dem Lebenshof hat sie gelernt, dass Zuwendung von Menschen sehr schön sein kann.
Was macht Eure Freundschaft so besonders?
Wir hören einander zu. Sie zeigt mir, wann sie Nähe möchte und ich respektiere ihre Grenzen. Cappuccino ist sehr klug und sensibel, gleichzeitig aber auch sehr durchsetzungsstark und manchmal auch ein bisschen ruppig gegenüber Artgenossen. Unsere Freundschaft basiert auf Respekt, Geduld und viel gegenseitigem Vertrauen. Sie zeigt, dass tolle Freundschaften auch zu Tieren entstehen können, die keine Haustiere sind.
Gibt es ein besonderes oder lustiges Erlebnis, das Dir in Erinnerung geblieben ist?
Ja, da fällt mir direkt etwas ein. Cappuccino hat früher mit unseren Kühen und den anderen Ziegen auf einer Wiese gelebt, und als das Gras dort knapp wurde, hat sie selbstständig einen Weg gefunden, um an frisches Futter zu kommen – nämlich indem sie durch ein Fressgitter gesprungen ist, durch das nur sie als kleinste Ziege passen konnte. Als dann allerdings Menschen auf den Hof kamen, ist sie schnell durch das Gitter zurück auf die Wiese geschlüpft. Sie hätte natürlich auch einfach wegrennen können, aber das hat sie nicht gemacht. Ich denke, es gefällt ihr ganz gut hier (lacht).
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Was hast Du durch die Freundschaft mit Cappuccino gelernt?
Cappuccino zeigt mir jeden Tag, dass wahre Größe nichts mit Körpergröße zu tun hat. Sie ist zwar unsere kleinste Ziege, aber ihre Persönlichkeit ist riesig. An ihr sehe ich, dass man vielfältig sein darf – sensibel und stark zugleich, ruhig, aber auch mal laut. Durch sie habe ich gelernt, dass man all diese Seiten in sich tragen darf, dass sie nebeneinander existieren können. Cappuccino hat mich gelehrt, Geduld zu haben, Vertrauen wachsen zu lassen – und dabei immer ich selbst sein zu dürfen.
Was können Menschen generell von Tieren lernen?
Ich glaube, dass wir Menschen unglaublich viel von Tieren lernen können. Vor allem, im Moment zu sein – also wirklich präsent zu sein, ohne ständig an gestern oder morgen zu denken. Tiere leben einfach, ganz intuitiv und sie zeigen uns damit, wie wohltuend es sein kann, den Augenblick bewusst wahrzunehmen. Außerdem beeindruckt mich immer wieder, wie sehr Tiere vertrauen können. Selbst wenn sie schlechte Erfahrungen gemacht haben, sind sie oft bereit, sich wieder auf den Menschen einzulassen.
Was bedeutet Dir die Freundschaft zu Cappuccino?
Die Freundschaft zu Cappuccino bedeutet mir unglaublich viel. Es ist eine tiefe, vertrauensvolle Verbindung, die über die gemeinsame Arbeit hinausgeht. Ich habe zu allen Tieren auf dem Hof eine gute Beziehung – aber mit Cappuccino ist da etwas ganz Besonderes. Wir verbringen auch außerhalb der tiergestützten Angebote viel Zeit miteinander: ruhige Momente, gemeinsames Dasein. Diese Freundschaft tut uns beiden gut.
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Und was bedeutet für Dich Freundschaft aller Art?
Freundschaft kann man mit jedem Lebewesen schließen – egal ob Schnecke oder Pferd. Wichtig ist, dass man hinter die äußere Hülle schaut. Dann ist echte Freundschaft und die Beziehung zu jedem Lebewesen möglich.
Cappuccino & Ronja – eine besondere Freundschaft zwischen Mensch und Tier
Die Freundschaft zwischen Ronja und Cappuccino zeigt eindrucksvoll, wie tief die Freundschaft zwischen Mensch und Tier gehen kann – auch wenn man Tieren begegnet, die keine klassischen Haustiere sind. Auf dem Lebenshof entstehen durch Geduld, Respekt und Zuneigung enge Tier-Mensch-Beziehungen, die verdeutlichen, dass auch Tiere, die in der Vergangenheit schechte Erfahrungen gemacht haben, wieder Vertrauen zum Menschen fassen können.
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